Test: Als der Winter kam

von Novil Ariandis,

 

Einleitung

"Als der Winter kam" liegt momentan in der Version 1.3 vor, aber das bedeutet leider nicht, dass im Spiel keine Bugs mehr vorhanden sind. Genau genommen haben gerade die zahlreichen Bugs meine Wertung um fast einen vollen Spielspaß-Punkt nach unten gedrückt. So war es für mich nicht möglich, den Hauptquest abzuschließen, da gleich mehrere Programmfehler dies verhinderten:

- Die Priester, die mir einen Brief abnehmen sollten, erschienen erst gar nicht auf der Bildfläche.
- Ich habe in einem Kampf aus Versehen eine Wache getötet und danach abgespeichert, weil ich dies gar nicht richtig mitbekommen hatte. Danach war Lord Eron mir gegenüber feindlich gesonnen und ich konnte ihm den Brief nicht wie gewünscht überreichen. Der letzte andere Spielstand war aber schon mehr als zwei Stunden alt und so spannend fand ich das Modul dann doch nicht, um noch einmal fast von vorne zu beginnen.
- Ich habe durch einen auf ein Skelett zentrierten Feuerball auch einen Hebel zerstört, der unbedingt notwendig gewesen wäre, um eine Türe zu öffnen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich natürlich nicht, warum ich sie nicht öffnen konnte, erst ein Blick in den Editor bestätigte meinen Verdacht.

Danach konnte ich mir die restlichen Karten des Moduls jedenfalls nur noch anschauen, indem ich den "Startpunkt" im Editor auf die jeweilige Karte setzte. Dass die zu diesem Zeitpunkt sowieso nur noch marginal vorhandene Hintergrundgeschichte so natürlich endgültig im Eimer war, kann man sich sicher vorstellen. Sollte Lord Darkmoon diese und ein paar andere Bugs in zukünftigen Versionen noch beseitigen, kann man ruhig einen halben oder gar einen vollen Punkt zu meiner Spielspaß-Wertung dazu addieren.

Pro

- Halbwegs realistische Spielwelt
- Zu Beginn interessante Gespräche und ordentliche Nebenquests

Contra

- Einige schwerwiegende Bugs
- Encounter-Probleme
- Zu viel Rumgelaufe
- Baut nach 4 Stunden merklich ab

Story

Im schmucken Gasthaus "Zur letzten Rast" bekam mein Held von einem der Panik nahen Boten einen Brief überreicht, den ich zu Lord Eron, dem Herrscher von Seehafen, bringen sollte. Einige Priester hätten mich anschließend daran hindern *sollen*, dies zu tun. Wenn ich dann Lord Eron den Brief überreicht *hätte* - zahlreiche Bugs verhinderten beides überaus erfolgreich - so hätte mich dieser damit beauftragt, eine Untotenplage auszumerzen, die seine kleine Stadt heimgesucht hatte.

Zahlreiche mehr (Der verschwundene Junge) oder weniger (Das Bordell von Seehafen) gelungene Nebenquests trugen gerade in den ersten vier Stunden dazu bei, dass bei mir schon so etwas wie Fantasy-Atmosphäre aufkam. Aber ich muss leider auch sagen, dass das Modul nach der Ankunft in Seehafen mehr und mehr an Spannung verlor.

Novil Ariandis' Bewertung:
5.50 von 10 möglichen Punkten

durchschnittliche Punkte aller Bewertungen: 8.38

Dialoge

Die ungefähr 10.000 Wörter Dialog deuten an, dass in dieser Hinsicht zumindest quantitativ ein wenig geboten wurde. Am Anfang traf ich so denn auch auf einige Personen, mit denen man ein nettes, kleines Schwätzchen halten konnte und die auch wirklich etwas zu sagen hatten: So sang der Barde Iolo ein schönes Lied und ein Oger stellte mir ein kleines Rätsel. Aber spätestens nach der Ankunft in Seehafen gab es eigentlich keine interessanten Gespräche mehr zu führen.

Der geneigte Leser muss wissen, dass Seehafen bei der Ankunft des Helden von Untoten heimgesucht wurde, die nach und nach die gesamte Stadtbevölkerung ausrotteten, und dass KEIN einziger Bewohner dieser Stadt auch nur ein einziges Wort darüber fallen ließ... für diese erzählerische Minusleistung würde jeder waschechte Pirat Lord Darkmoon ordentlich Kiel holen lassen.

Novil Ariandis' Bewertung:
6.50 von 10 möglichen Punkten

durchschnittliche Punkte aller Bewertungen: 7.00

Leveldesign

Nun, das Leveldesign war sicher nicht wirklich schlecht, so kamen auf jeder Karte individuelle Sounds und Beleuchtungseffekte zum Einsatz, aber insgesamt gesehen war es doch zu konventionell geraten und enthielt absolut nichts, was man an anderer Stelle, zum Beispiel im Hauptspiel Neverwinter Nights, nicht schon einmal in besserer Form gesehen hätte. Lord Darkmoon hätte weniger Karten erstellen und sich dafür mehr Gedanken über einige wirklich zündende Ideen machen sollen.

Außerdem hat es mich doch ziemlich genervt, dass ich sehr oft dazu genötigt war, schon komplett erkundete Karten noch einmal zu durchlaufen, um zum Beispiel zum Eingang eines Verlieses zurück zu gelangen. Der Mischmasch aus deutschen und englischen Begriffen im Spiel bei der Bezeichnung von Personen und Gegenständen war ein anderer unschöner und unnötiger Fehler.

Novil Ariandis' Bewertung:
4.00 von 10 möglichen Punkten

durchschnittliche Punkte aller Bewertungen: 8.08

Kämpfe

Neben den unverzeihlichen Bugs waren vor allem die Kämpfe das große Problem in "Als der Winter kam". Zu Beginn tauchten die Gegner oft nur wenige Meter von meinem Helden entfernt auf, manchmal waren es gar nur Zentimeter. Mein Magier war nicht besonders glücklich darüber, derart oft in einen Nahkampf verwickelt zu werden. Mit der Zeit bekam Lord Darkmoon dieses Problem aber anscheinend besser in den Griff, die letzten von mir erkundeten Karten zeigten dieses Problem fast nicht mehr.

Es ist auch nicht gerade so, dass die teilweise recht schwierigen Kämpfe irgendwelche Besonderheiten geboten hätten, allerdings habe ich aus oben genannten Problemen auch nicht alle Karten spielen können, weswegen ich da vielleicht etwas versäumt habe... aber ich glaube es eigentlich nicht.

Novil Ariandis' Bewertung:
4.00 von 10 möglichen Punkten

durchschnittliche Punkte aller Bewertungen: 7.25

Multiplayer

"Als der Winter kam" dürfte für ein Multiplayer-Spiel einigermaßen gut geeignet sein. Ich habe das Modul aber ausschließlich im Einzelspieler-Modus gespielt.

Eine Bewertung war nicht möglich

durchschnittliche Punkte aller Bewertungen: 6.11

Besonderheiten

Die Sprachausgabe des Barden Iolo ist an lustiger Peinlichkeit kaum zu überbieten!

Spielspaß/Fazit

Wenn das Modul weniger Bugs hätte, wenn das Leveldesign ein wenig ideenreicher wäre, wenn Lord Darkmoon auch aus Seehafen eine belebte Stadt gemacht hätte... Ihr merkt schon, ziemlich viele *wenns*, die ich gerade verwendet habe. "Als der Winter kam" ist kein schlechtes Modul, aber es ist auch nicht gerade ein Brüller.

Die ersten 4 Stunden waren einigermaßen spaßig (Spielspaß: 6,5), dann wurde es immer zäher. Personen mit zu viel Zeit dürfen es ohne Bedenken durchspielen; für alle anderen ein Tipp: Hört einfach auf, wenn ihr in Seehafen ankommt, es kann danach nur noch schlechter werden ;-).

Novil Ariandis' Bewertung:
5.50 von 10 möglichen Punkten

durchschnittliche Punkte aller Bewertungen: 7.63

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